5/5

“Rendezvous” ist ein Drama aus dem Jahr 2005. Regie bei dem Spielfilm mit gewaltigem Tiefgang führte Alexander Schüler. “Rendezvous” ist zugleich sein Debüt-Werk. Das bissige Drama beruht auf einem Bühnenstück von Bob L. Sack. Diese Nähe zum Theater wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass “Rendezvous” ausschließlich an einer einzigen Location spielt. Wer jedoch vermutet, dass beim Adaptieren eines Theaterstücks hin zu einem Kinofilm die Langeweile vorprogrammiert sei, der irrt vorzüglich. Bissig, selbstzerfleischend und die nackte Wahrheit ans Licht fördernd geben sich die durchwegs brillanten Schauspieler.

Rendezvous
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21,99 EUR
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Der Film

Anna und Walter sollten eigentlich beide unterwegs sein

Walter (Sven Walser) und Anna (Lisa Martinek) haben ein ausgesprochen gutes Leben – zumindest nach außen. Sie leben in einem luxuriösen Loft, das großzügig renoviert wurde. Er hat sich den Wohlstand durch seinen Job als Bank-Manager hart erkämpfen müssen, während sie aus einer reichen Familie kommt. Eines Nachmittags im Sommer sollte Anna eigentlich ihre Mutter besuchen. Doch sie vergisst anscheinend etwas und kommt nach Hause zurück. Dort trifft sie auf ihren Mann Walter, was sie nicht weniger verwundert, denn der sollte sich eigentlich auf einer Geschäftsreise befinden, die angeblich verschoben wurde. Dann klingelt auch noch das Telefon, Walter hebt ab, doch legt gleich wieder auf. Irgendwie ist beiden nicht geheuer, dass der jeweils andere zuhause ist. Die Luft ist erfüllt vom Misstrauen. Als dann auch noch das Reizthema Nachwuchs auf den Tisch kommt, beginnen beide erst so richtig zu zoffen. Doch nun kommt plötzlich Jost (Tim Lang), ein Freund der beiden, hinzu. Sichtlich verlegen und nicht auf die Situation vorbereitet erklärt er, dass er eigentlich Walter treffen wollte, weil er eine finanzielle Angelegenheit bezüglich seiner Spedition klären wollte.

Die Stimmung eskaliert und jeder will den anderen nur noch seelisch zerstören, zerfleischen, erniedrigen

Kurzerhand lädt ihn das Ehepaar zum Essen ein, doch die beiden können auch nun nicht damit aufhören, sich gegenseitig zu attackieren. Dann muss Walter mit ansehen, dass Anna in einem unbeobachtet geglaubten Moment Jost küsst. Das ist nur noch mehr Wasser auf die Mühlen für Walter, denn nun will er auch seinen verbalen und zerstörerischen Trumpf gegen Jost ausspielen. Das ist die Wahrheit um seine Spedition, die nämlich unmittelbar vor der Pleite steht und Jost somit vor dem finanziellen Aus. Als ob die Situation nicht schon genug eskalieren würde, kommt nun auch noch eine ebenfalls völlig perplexe und misstrauische Yvonne (Anika Mauer) hinzu – die Ehefrau von Jost. Die Attacken mit den verbalen Zerfleischungen führen nun zunehmend in eine immer weiter außer Kontrolle geratene Situation, denn es stellt sich nun zu allem Überfluss auch noch heraus, dass auch Yvonne ein Verhältnis hat, und zwar mit Walter. Doch daneben kann Yvonne mit einer weiteren Überraschung aufwarten, die wohl auch Effekt zeigen wird. Es scheinen sämtliche Hemmungen zu fallen und mit ihr sämtliches Verständnis für Moral und Ethik.

Rendezvous -ein grandioses Regie-Debüt von Alexander Schüler

Das Erstlingswerk von Alexander Schüler begeisterte insbesondere auch die Kritiker, die den Regisseur in höchsten Tönen für seine grandiose Umsetzung des Theaterstoffs lobten. Eine emotionale Dichte, die den Kinobesucher von der ersten bis zur letzten Sekunde in Atem hält, während immer offensichtlicher die menschlichen Abgründe hinter den anscheinend kultivierten und smarten Protagonisten ans Licht gezerrt werden. Es geht eigentlich nur darum, in einem typisch menschlichen Exzess den anderen mehr wehzutun, als man selbst bereits an Schmach ertragen musste, was sich zunehmend hochschaukelt. So zeigt “Rendezvous” der Gesellschaft ein durchaus ehrliches Bild dessen, was sich hinter den netten und schönen Fassaden verbergen kann. Der Zuschauer wird mitgenommen in die schwarzen Abgründe der Seele – ganz in der Manier eines Rainer Werner Fassbinders.